von Hanspeter Raetzo
Die bürgerlichen Parteien haben die Kantonsfinanzen mit Vollgas gegen die Wand gefahren und mussten jetzt eine Steuererhöhung von 10% verfügen. Alle müssen darunter leiden. Den Alten in Altersheimen werden die Leistungen gekürzt. Den Jungen in den Musikschulen die Gebühren erhöht.
Den Bewohnern von Altersheimen wird durch die Leistungskürzung unter anderem die Teilnahme an Kulturveranstaltungen verunmöglicht. Den Jungen wird schon die Teilnahme an der (Musik-) Kultur erschwert.
Und man sucht weiter nach Einsparungen.
Und deshalb ist es nur folgerichtig, wenn die bürgerlichen Parteien jetzt auch Kulturinstitutionen ins Visier nehmen, um ihre katastrophale Finanzpolitik zu kaschieren.
Im Visier ist aktuell das Kulturkunsthaus in Rapperswil-Jona. Die Argumentation ist dabei abenteuerlich. Die öffentlichen Subventionen werden in einem Fehlschluss auf die Besucherzahlen hinuntergerechnet und darauf reduziert. Der Wert für die Kulturschaffenden und die Gesellschaft wird einfach ausgeblendet und nicht in die Gesamtrechnung einbezogen.
Man operiert mit Zahlen die sich auf ein ganzes Jahr beziehen, und lässt ausser Acht, dass die Stadt für ein dreitägiges Fest die Subvention gerade um CHF 80'000.00 erhöht hat, auf weitg über CHF 25'000 pro Tag, das Kunstzeughaus dagegen hat das ganze Jahr geöffnet.
Vergleiche werden schon gar nicht gemacht. Denn die sprechen für das Kunstzeughaus. Die Stadt St.Gallen zum Beispiel subventioniert Benutzer von Bädern und der Eissportanlage mit CHF 75.00. Das Kunstzeughaus ist weit darunter.
Für das Theater in St. Gallen betragen die Subventionen pro Person das Doppelte des Betrags, der für das Kunstzeughaus eingesetzt wird.
Natürlich kann man Stimmung machen. Gegen alles. Im Moment halt gegen das Kunstzeughaus. Und natürlich ist es ein Leichtes, Werte jenseits von Geld- und Warenwerten überall auszublenden. Es ist aber der falsche Weg. Die Schweiz als Kulturnation braucht nicht nur eine Finanzdebatte, was wir brauchen ist auch und vor allem eine Wertedebatte und da geht es um Kultur, um unsere Kultur.


