Am 15.Januar 1905 trafen sich Mitglieder des Grütlivereins und des Arbeiterbunds des Kantons St. Gallens im Restaurant «Krone» in Rorschach. Es wurde beschlossen, der 1888 gegründeten Schweizerischen Sozialdemokratischen Partei beizutreten. Mit diesem Schritt wurde die Sozialdemokratie im Kanton institutionalisiert.
Nur einige Monate nach der Gründung der Kantonalpartei war es auch in Rapperswil soweit. Im Herbst des Jahres 1905 rief der SOB-Kondukteur Wilhelm Bürgler die SP Rapperswil ins Leben (mehr zu Bürgler am Schluss dieser kurzen Abhandlung über die lange Geschichte der SP). Bürgler vertrat die Partei zuerst vier Jahre als Parteipräsident, danach bis zu seinem Tod 1925 im Stadt- und Kantonsrat. An dieser Stelle muss auch gleich auf eine kleine Ungereimtheit des Jubiläums der SP Rapperswil-Jona hingewiesen werden. Die Sozialdemokratische Partei in Jona wurde nämlich erst 1917 gegründet, also zwölf Jahre später als in Rapperswil. Da sich die beiden Sektionen aber im Vorfeld der ersten – negativ ausgefallenen – Abstimmung über die Fusion der Städte Rapperswil und Jona vereinten, kommt die SP in Jona bereits früher als erwartet zu Jubiläumsehren.
Doch nun zurück zur Historie. Zu Beginn ging es für die Partei in der von den Liberalen (heutige FDP) dominierten Stadt Rapperswil nur harzig vorwärts. Doch mit der starken Figur des «Genossen Bürglers» an der Spitze konnte die SP nach und nach erste Erfolge feiern. Geprägt waren diese ersten Jahre der Partei durch die weltweite Wirtschaftskrise und den Ersten Weltkrieg. In diese Zeit fällt die Gründung der SP Jona.
Kommunismus Adieu
1920 gab sich die SP Schweiz ein neues Parteiprogramm. In einer Urabstimmung wurde beschlossen, dass die Partei den klassisch kommunistischen Weg nach Marx verlassen und eine eigene, pragmatischere Linie verfolgen solle. Als Reaktion auf diesen Entscheid traten schweizweit etwa 5000 «Parteilinke» aus der SP aus und schlossen sich der neu gegründeten –– und später verbotenen – Kommunistischen Partei der Schweiz an. Auch in Rapperswil und Jona kam es zu zahlreichen Übertritten.
Auf die Schrecken des ersten Weltkriegs und eine kurze Zeit der Hoffnung danach, folgte schon bald der Zweite Weltkrieg. Die Auseinandersetzung mit dem Faschismus, der in der Schweiz ebenfalls auf fruchtbaren Boden fiel, wurde zum bestimmenden Thema. Daneben setzte sich die Partei dafür ein, die Not des Volkes zu lindern. 1939 stellte die SP Jona beispielsweise den Antrag an die Gemeinde, den Familien der Armeeangehörigen Unterstützung zu leisten.
Kampf gegen Wohnungsnot
Ein Jahr vor Kriegsende, 1944, übernahm Oswald Wanner das Parteipräsidium in Rapperswil, das er 28 Jahre lang nicht mehr aus der Hand geben sollte. Wanner, der von 1957 bis 1975 auch noch im Rapperswiler Stadtrat sass, war eine führende Figur bei der Bekämpfung der jahrzehntelangen Wohnungsnot in Rapperswil.
Mit dem Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs und der nachfolgenden Phase der Hochkonjunktur begann das Interesse an Parteipolitik zu sinken. Die Bürger wurden politisch träge. Weitere Folgen der Hochkonjunktur zeigten sich in der Verschmutzung und Ausbeutung von Natur und Umwelt. Früh schrieben sich die Sektionen Rapperswil und Jona darum den Schutz natürlicher Ressourcen auf ihre Fahnen. Die in diesem Kontext zu betrachtende Forderung nach einer autofreien Rapperswiler Altstadt – die 1952 von der Partei zum ersten Mal geäussert und 1996 verwirklicht wurde – kann als Erfolg gewertet werden, an welchem die SP massgeblich beteiligt war. Und schliesslich ist auch der nach wie vor laufende Ausbauprozess des öffentlichen Verkehrs ein von der Partei in Jona und Rapperswil seit Jahrzehnten verfolgtes Ziel.
Ambivalente Haltungen
Dass die Verkehrsproblematik zu Rapperswils dringlichsten Problemen gehört, zeigt sich auch an den Diskussionen rund um die Untertunnelung von Rapperswil. Beide Sektionen, die ihre Zusammenarbeit seit den 1970er Jahren intensivierten, kamen von der Auffassung, das Tunnel sei nur ein «sinnloses Loch, das noch mehr Verkehr bringt» weg und stimmten dem Projekt letztendlich zu. Ausschlaggebend war dabei die Zusage der Behörden an die Partei, dass die flankierenden Massnahmen auch vorgezogen und der Mehrverkehr möglichst verhindert werde. Eine ähnliche Ambivalenz zeigte sich auch stets dann, wenn es darum ging, Sportstätten aus- und umzubauen. Als aktuelles Beispiel kann da die Sanierung der Eishalle Lido genannt werden, die von der SP Rapperswil-Jona trotz Einwänden gegen die Mehrkosten gutgeheissen wurde.
Die Rolle der Frauen
1985 wurde in Jona Denise Limacher zur ersten Präsidentin der Partei gewählt. In Rapperswil folgte Elisabeth Bosshard 1989. Sechs Jahre später trat Bosshard, als erstes SP-Mitglied überhaupt, an die Spitze einer Korporation. Von 1995 bis 2002 war sie Rapperswiler Primarschulratspräsidentin. Was die Frauen-Vertretung der Partei in den Exekutiven von Rapperswil und Jona betrifft, fällt das Resultat noch relativ mager aus. Nur Marianne Aguilera, die aktuell im Stadtrat sitzt, schaffte diesen Sprung. Und zum Stadtpräsidium in Rapperswil, bzw. zum Gemeindepräsidium in Jona hat es bis heute weder den Frauen noch den Männern der Sozialdemokratischen Partei gereicht.
In der näheren Vergangenheit befassten sich die Sektionen Rapperswil und Jona neben den Themen Verkehr und Umwelt schwergewichtig mit Sozialpolitik. Sei es die Jugendarbeit, die Institutionalisierung von Mittagstischen und Kinderhorten oder die Forderungen nach Freiräumen, Begegnungsorten und Massnahmen zur Integration ausländischer Mitbürger; viele Forderungen in diesen Politikfeldern hatten ihren Ursprung bei den Sozialdemokraten oder wurden durch sie unterstützt.
Fusion zu Rapperswil-Jona
Der letzte grosse Erfolg, den die Partei (mit-)feierte war die Vereinigung der Gemeinden Rapperswil und Jona. Im Vorfeld der verlorenen Fusionsabstimmung 1999 fassten die SP Rapperswil und die SP Jona den Entschluss, ein Zeichen zu setzen: Die beiden Sektionen kamen 2002 zusammen. Wie man weiss, taten es die übrigen Parteien der SP gleich. In der Folge zogen alle Parteien – in wohl einmaliger Art und Weise – am selben Strick und konnten sich so am 1. Mai 2005 über das Ja der Stimmbürger zu Rapperswil-Jona freuen.
zu Wilhelm Bürgler
Todesanzeige des Gründers der Sozialdemokratischen Partei Rapperswil
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SP Rapperswil: 75 Jahre-Jubiläum in der Presse
75 Jahre Sozialdemokratische Partei Rapperswil - der Zeitungsbericht


